Einsatzabteilung

 

Gedanken eines Feuerwehrmannes (von Wolfgang Korte)

Ich wünschte Du könntest …

Ich wünsche, Du könntest den Kummer des Geschäftsmannes sehen, als sein Lebenswerk in Flammen aufging
oder die Familie, die nach Hause kam, nur um ihr Haus und ihre Habseligkeiten beschädigt oder gar zerstört vorzufinden.

Ich wünsche, du könntest fühlen, wie es ist, ein brennendes Schlafzimmer nach eingeschlossenen Kindern abzusuchen,
die Flammen schlagen über deinen Kopf hinweg, während des Kriechens schmerzen deine Handflächen und Knie,
der Fußboden gibt unter deinem Gewicht nach, wenn die Küche unter dir zu brennen anfängt.

Ich wünsche, du könntest die Furcht in den Augen der Ehefrau morgens 3 Uhr sehen,
wenn ich ihrem alten Ehemann den Puls fühle und keinen finde.
Ich beginne irgendwie mit der Wiederbelebung, und hoffe wieder besseren Wissens ihn zurückzuholen,
aber ich weiß, dass es schon zu spät ist. Aber seiner Frau und der Familie muss ich das Gefühl geben,
dass alles mögliche getan wurde.

Ich wünsche, du könntest den unvergesslichen Geruch von brennenden Isolierungen,
den Geschmack von Ruß auf deinen Schleimhäuten, das Gefühl der intensiven Hitze, die durch deine Ausrüstung dringt,
das Geräusch der lodernden Flammen und die Beklemmung absolut nichts durch diesen dichten Rauch zu sehen, nachempfinden.
„Sensationen“, an die ich mich zu sehr gewöhnt habe, denen ich zu sehr vertraut geworden bin.

Ich wünsche, du könntest es verstehen, wie es ist, am Morgen zur Schule oder zur Arbeit zu gehen,
nachdem du den Großteil der Nacht, heiß und wieder nass durchgeschwitzt, bei einem Großfeuer verbracht hast.

Ich wünsche, du könntest meine Gedanken lesen, wenn ich zu einem entstehenden Feuer gerufen werde.
Ist es ein falscher Alarm oder ein fortgeschrittenes, atmendes Feuer? Wie ist das Gebäude konstruiert?
Welchen Gefahren erwarten mich? Sind Menschen eingeschlossen?

Ich wünsche, du könntest in der Notaufnahme dabei sein, wenn der Arzt das hübsche 5 Jahre alte Mädchen für tot erklärt,
nachdem ich es zuvor 25 Minuten lang versucht habe am Leben zu erhalten,
sie wird nie zu ihrem ersten Date gehen können oder jemals die Worte „Ich liebe Dich Mama!“ sagen können.

Ich wünsche, du könntest die Frustration im Führerhaus des Löschfahrzeuges fühlen,
der Maschinist drückt seinen Fuß fest auf die Bremse, mein Daumen drückt wieder und wieder den Daumen des Presslufthornes,
wenn du versuchst, dir im Verkehr ein Durchkommen zu verschaffen.
Wenn du uns brauchst, wann immer es ist, deine ersten Worte werden sein: „Es hat fast eine Ewigkeit gedauert, bis ihr hier wart!“

Ich wünsche, du könntest meine Gedanken lesen, wenn ich helfe eine junge Frau aus den zertrümmerten Resten ihres Wagens zu ziehen. Was wäre, wenn es meine Schwester, meine Freundin oder eine Bekannte ist?
Wie werden ihre Eltern reagieren, wenn vor der Tür ein Polizist steht, der seine Mütze in den Händen hält?

Ich wünsche, du könntest wissen, wie es sich anfühlt nach Hause zu kommen, meine Eltern und Familie zu begrüßen,
aber nicht das Herz zu haben, ihnen zu erzählen, dass ich beinahe von meinem letzten Einsatz nicht zurück gekommen wäre.

Ich wünsche, du könntest dir die physische, emotionale und mentale Belastung von stehen gelassenem Essen,
verlorenem Schlaf und verpasster Freizeit vorstellen, zusammen mit all den Tragödien, die meine Augen gesehen haben.

Ich wünsche, du könntest die Kameradschaft und die Befriedigung, Leben gerettet zu haben, erfahren,
da zu sein zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der Gefahr, um aus der Hektik und dem Chaos heraus Ordnung zu schaffen.

Ich wünsche, du könntest verstehen, wie es ist, einen kleinen Jungen auf dem Arm zu tragen,
der fragt: „Ist meine Mama ok?“ – und es dir unmöglich ist, ihm in die Augen zu schauen, ohne dass dir die Tränen in die Augen steigen. Oder wie es ist, einen alten Kumpel zurückzuhalten, der mit ansehen muss,
wie sein bester Freund in den Rettungswagen getragen wird und du weißt genau, er war nicht angeschnallt.

Solange du dieses Leben nicht durchgemacht hast, wirst du niemals wirklich verstehen oder einschätzen können,

wer wir sind, was wir sind oder was unsere Arbeit wirklich bedeutet.

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